„Ultra-Jörg“ macht Hunderter

15.06.2013 08:14 Von: Wolfgang Kaiser & pico & Main-Echo

Nach Thomas Tichai – 100 Kilometer Biel in 2002 – hat der Lauftreff mit Jörg Drechsler den zweiten Hunderter-Läufer hervorgebracht. Glückwunsch, Jörg !!!

 

Das "Main-Echo" berichtet am 15.6.2013:

»Laufen ist für mich wie Urlaub mit Schmerzen«

Ausdauersport: Jörg Drechsler aus Klein-Umstadt ist ein Spätberufener mit Ultra-Leidenschaft - Heuer 15 Marathons und Ultra-Rennen geplant

Ausdauersport Die Vögel zwitschern im Hintergrund. Jörg Drechsler ist gerade auf Feierabendrunde rund um Groß-Umstadt. Mal eben 20 Kilometer läuft »Ultra-Jörg«, wie er sich selbst nennt. 4400 Kilometer hat er seinen Füßen zugemutet. Heuer werden es kaum weniger werden, schließlich hat er Anfang Juni seiner ersten Hunderter beim Schefflenzer Ultra-Lauf im Neckar-Odenwald-Kreis vollendet

http://www.main-netz.de/_/tools/diaview.html?_CMTREE=20573&_CMBILD=2176992&_CMPICS=2176992

Jörg Drechsler (TV Groß-Umstadt) hat sich ein anstrengendes Hobby zugelegt. Seit 2007 läuft er jedes Jahr mehrere Marathons und bei einigen Ultra-Wettbewerben. 

Es war sein sechster Ultralauf in diesem Jahr, sechs weitere sollen folgen. Die drei dieses Jahr vorgesehenen Marathons sind da schon eher Trainingsläufe.
Entscheidung auf der Waage
»Manche nennen es Sucht, manche finden es aber okay«, sagt Drechsler zu den Reaktionen im persönlichen Umfeld, wenn seine Laufleidenschaft zum Thema wird. Der ehemalige Zeitsoldat, der vor 20 Jahren auch in Somalia im Einsatz war, ist einer der vielen Spätberufenen. 2004 hat er mit dem Laufen angefangen, nachdem er im Jahr zuvor mit dem Fußballspielen aufgehört hatte. »Als ich eines Tages auf die Waage stieg, hat sie eine Zahl angezeigt, mit der ich gar nicht leben wollte.«
Schnell wurde das Laufen für ihn zu einem Bedürfnis - kein tägliches, denn auch Jörg Drechsler tritt manchmal kürzer. Dann läuft er nur 50 Kilometer in der Woche und keine 130. »Meine kürzeste Trainingsstrecke ist 15 Kilometer, meist laufe ich aber 30. Manchmal fahre ich auch morgens mit dem Bus zur Arbeit und laufe abends zurück. Das sind dann auch 28 Kilometer.«
Platzwart der »Lilien«
In Darmstadt ist Drechslers Arbeitsplatz, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der 41-Jährige ist als Platzwart beim Sportamt der Stadt Darmstadt angestellt. Zusammen mit fünf Kollegen kümmert er sich auch um den Rasen im Böllenfalltor, der Heimstatt des Fußball-Drittligisten SV Darmstadt 98. Bei sieben, acht Heimspielen der »Lilien« ist er im Stadion. »In der Zeitung liest man aber nur etwas vom Platzwart, wenn die Heimmannschaft verloren hat«, sinniert Drechsler.
Der gebürtige Frankfurter, der in Klein-Umstadt wohnt, aber Mitglied beim TV Groß-Umstadt ist, hat dem Fußball zwar nicht abgeschworen. Doch seine Leidenschaft ist mittlerweile das Laufen. 2005, ein Jahr nach dem erschütternden Erlebnis auf der Waage, raste er naiv in Mannheim über die ersten Marathon-Kilometer. Nach 4:13 Stunden kam er mit »übelsten Schmerzen« ins Ziel. »Ich laufe nie wieder mehr mehr als zehn Kilometer habe ich am Samstagabend gesagt. Und mich am Montag dann für den Frankfurt-Marathon angemeldet.« 3:25 Stunden stehen mittlerweile als Bestmarke, aber die Zeit ist für Drechsler zweitrangig 2007 erstmals 50 Kilometer
2007, also drei Jahre, nachdem er mit dem regelmäßigen Training begonnen hatte, absolvierte er bei den 50 Kilometern in Rodgau seinen ersten Ultra-Lauf. Seither sind unzählige dazugekommen, darunter auch der Churfranken-Trailrun zwischen Miltenberg und Sulzbach. Den zählt er zu den schönsten Läufen, die er bisher gemacht hat  - wegen der schönen Strecke, des relativ geringen Andrangs bei den Startern und der guten Organisation. Zu seine Favoriten zählt er auch den Keufelskopf-Ultratrail im Pfälzer Wald. Den Lauf über 86 Kilometer und 3400 Höhenmeter bewältigte er so gut, dass er sich prompt entschloss, wenige Tage später den Hunderter beim Schefflenzer Ultra anzugehen.
Lieber lang als schnell
»Laufen ist für mich wie Urlaub mit Schmerzen«, sagt Drechsler über die Wettbewerbe, nach denen er sich auch schon einmal drei Tage nicht richtig bewegen kann. Doch er mag es, seinen inneren Schweinehund zu besiegen, seine Grenzen auszuloten. Vor allem aber genießt er die langen Touren. »Mir tut ein schneller 10-km-Lauf mehr weh als ein gemütlicher 70-km-Lauf.«
Nächstes größeres Projekt für Drechsler ist der Rennsteiglauf Mitte August. Daneben muss er ja noch einige Ultras abarbeiten, unter anderem den Churfranken-Trail. Nächstes Jahr könnten Biel ein Ziel sein. Die 100 Kilometer über eine »relativ flache Strecke« könnte ein gutes Training für den Zugspitz-Extrem-Ultratrail sein, dessen 100 Kilometer mit 6000 Höhenmeter gespickt sind. Und dann würde »Ultra-Jörg« gerne auch noch einmal 100 Meilen laufen. »Gott hat uns die Füße zum Laufen gegeben und nicht zum Autofahren.«

„Ultra-Jörg“ macht Hunderter

Beim zweiten Anlauf hat es nun geklappt. Jörg Drechsler hat am Schefflenzer Ultra in Billigheim/Landkreis Neckar-Odenwald erfolgreich teilgenommen und die 100 Kilometer gemeistert. Von 21 Startern war er als Neunter im Ziel und erreichte mit 12:08 Stunden den dritten Platz in der Altersklasse. Die Pleite aus dem letzten Jahr, wo er wegen Magenproblemen vorzeitig aufgeben musste, war somit wettgemacht. Der 2-Rundenlauf war über die normale Marathondistanz von Starkregen begleitet – danach hatte das Wetter weitgehend Einsehen und wahrscheinlich auch Mitleid mit den Ultras. Trotzdem standen Feld- und Waldwege zum großen Teil unter Wasser. Jörg hatte seine Kraft gut eingeteilt, machte die letzten zehn Kilometer nochmal Tempo und konnte damit noch drei Plätze gut machen. Das Bild mit dem Zielbanner zeigt einen sichtlich zufriedenen Jörg  nach erfolgreichen 100 Kilometern. Nach Thomas Tichai – 100 Kilometer Biel in 2002 – hat der Lauftreff mit Jörg Drechsler den zweiten Hunderter-Läufer hervorgebracht. Glückwunsch, Jörg !!!

Wolfgang Kaiser

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