Jugendwart Lothar Simon hatte zu diesem Sportereignis eingeladen, außer der eigenen Mannschaft kamen Reha Werkstatt Lauterbach, Reha Werkstatt Schotten und der TV Gross-Umstadt. Gegen 10 Uhr wurde die Meisterschaft durch Thomas Prokein und Lothar Simon eröffnet – bis zur Mittagspause war schon klar, daß das Wiesbadener Team aufgrund zweimaligen intensiven Trainings pro Woche wohl die Nase vorne haben würde. Dies zeigte sich rasch: SVSG Wiesbaden vs. Lauterbach 3 : 0, SVSG Wiesbaden vs. Reha Werkstatt Schotten 2 : 1. Als nächstes Spiel stand die Begegnung TV Gross-Umstatt gegen Reha Werkstatt Lauterbach auf dem Programm, hier hieß es nach den 12 Minuten, die ein Spiel im Turniermodus dauert, 1 : 1. Der sonst so erfolgsverwöhnte Club unter Coach Manfred Picolin konnte an diesem Tage nicht so recht zufrieden sein, sein Team belegte zum Schluß Platz 3, denn im Folgespiel, bei dem sich die Umstädter den Wiesbadenern gegenüber sahen, hieß es nach dem Abpfiff 1 : 0 für die Landeshauptstädter. In der letzten Begegnung dieses Tages, der für alle Beteiligten die günstigsten Wetterverhältnisse bereithielt, standen sich die Teams von Reha Werkstatt Lauterbach und Reha Werkstatt Schotten gegenüber, hier lautete der Endstand nach 12 Minuten 0 : 1 für die „Schotten“, die damit auf Platz 2 kamen. Reha Werkstatt Lauterbach belegte zwar nur den ungeliebten 4. Rang, konnte sich aber trotzdem über Pokal und Urkunde freuen, zusätzlich zu Freude am Spiel und dem Bewußtsein, dabei gewesen zu sein. Gegen Ende der Veranstaltung lud Lothar Simon zur Verleihung der Preise ein, begrüßte jetzt ganz offiziell den schon mittags angereisten Präsidenten des HBRS Gerhard Knapp und die Vorsitzende der VSG Wiesbaden, Ruth Krause, die, nachdem Herr Knapp alle Anwesenden mit lobenden und freundlichen Worten bedacht hatte, zusammen mit dem Präsidenten die Siegerehrungen vornahm. Wie so oft im Leben gibt es auch hier etwas zu beklagen: es waren lediglich 4 Mannschaften der Einladung nach Wiesbaden gefolgt! Zu hoffen ist für die Zukunft, daß sich dies deutlich verbessert – auch hier fand Gerhard Knapp die richtigen Worte. Die Werkstätten sollten gehalten sein, ihre Schützlinge für Training und Wettkampf, vor allem auf diesem doch recht hohen Niveau nach Kräften zu unterstützen und für Training und Wettkampf freizustellen. Hier gibt es noch viel zu tun, aber es dürfte sich lohnen, sieht doch der aufmerksame Beobachter am Rande des Spielfeldes die Freude und den unbedingten Willen zur Leistungsbereitschaft in jedem Gesicht. Wie auch immer: es war ein gelungener Wettkampf – Dank an Lothar Simonund die VSG Wiesbaden mit Kooperationspartner SV Schierstein und alle Helferinnen und Helfer im Umfeld, Glückwunsch an das Wiesbadener Team zum Turniersieg!
Bild und Text Joachim Biermann
Während die Deutsche ID-Nationalmannschaft in Südafrika das Halbfinale ge-gen Portugal verpasste wurde in Wiesbaden der ID-Hessenmeister 2010 aus-gespielt. Nach 12 spannenden Spielen setzte sich der SVSG Wiesbaden durch und sicherte sich den Titel.
„Großer Jubel auf dem Sportplatz Saareck in Schierstein“ schrieb Marcel Pauly im Wiesbadener Kurier und fährt fort: „Die Fußballmannschaft des SVSG Wiesbaden hat sich den Heimsieg geholt bei der ersten Hessenmeisterschaft für geistig Behin-derte. Vier hessische Teams sind gestern in zwölf Spielen à zwölf Minuten - Hin- und Rückrunde - gegeneinander angetreten. „Auf das K.o.-System haben wir bewusst verzichtet”, erklärt Lothar Simon vom SVSG Wiesbaden, der das Turnier mitorgani-siert hat. „Wir wollten, dass die Spieler so viel Zeit wie möglich auf dem Feld verbrin-gen. Der Spaß steht ganz klar im Vordergrund.” Im Vergleich zu anderen Bundeslän-dern hat Hessen beim Behindertensport noch Nachholbedarf, wenn es um Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen geht.“ Herr Präsident des HBRS, Herr Gerhard Knapp formulierte gegenüber der Zeitung, dass gerade wenn Behinderte bei der Arbeit - etwa in Werkstätten - wenig Bewegung haben, Sport besonders wichtig für die Lebensqualität sei. „Sie nehmen Dinge wie Teamgeist und Respekt mit in ihr tägliches Leben.” Beim Etablieren des Behinder-tensports sei problematisch, so Knapp weiter, dass es noch keine eindeu-tigen Krite-rien gebe, um die Sportler nach dem Grad ihrer geistigen Behinderung einzuteilen. Hier stehe man noch ganz am Anfang. ID-Fussball ist die offizielle Beschreibung für Fussball mit geistig behinderten Men-schen. Eine geistige Behinderung ist schwer eindeutig zu definieren. Nach dem ICD-10 ist eine Intelligenzminderung „eine in der persönlichen Entwicklung manifestie-rende, stehen gebliebene oder unvollständige Entwicklung der geistigen Fähigkei-ten“. Hierbei sind besonders Fertigkeiten beeinträchtigt, die zum Intelligenzniveau beitragen. Dies gilt z.B. für Kognition, Sprache, motorische und soziale Fertigkeiten. Das Anpassungsverhalten ist stets beeinträchtigt. Gerade bei leichten Intelligenz-minderungen muss eine solche Anpassungsstörung in geschützter Umgebung mit Unterstützungsmöglichkeiten nicht auffallen
Eine Diagnose der geistigen Behinderung bezieht sich oft auf die Messung einer deutlichen Intelligenzminderung mit Hilfe standardisierter Intelligenztests. Ein Intelligenzquotient (IQ) im Bereich von 70 bis 85 ist unterdurchschnittlich; in diesem Fall spricht man von einer Lernbehinderung. Ein IQ unter 70 bedingt dann die Diag-nose der geistigen Behinderung. Es gibt jedoch keine Messverfahren mit der nötigen Trennschärfe.
Diese Unschärfe erschwert eine „saubere“ Klassifizierung. Der Deutsche Behinder-tensportverband arbeitet seit einigen Jahren an dieser Problematik, da die Unschär-fe der Klassifizierung dazu führte, dass dieser Personenkreis von den Para-olympischen Spielen ausgeschlossen wurde. Die aktuelle Beurteilungsskala ist ent-wickelt worden, um eindeutige Kriterien für die Beurteilung und Teilnahme an Sport-veranstaltungen auf nationalem und internationalem Niveau zu schaffen. Ihr Einsatz ermöglicht die Durchführung von integrativen Sportveranstaltungen im Breiten- und Leistungssport unter Einbeziehung von Menschen mit psychischer Behinderung, so-zialer Behinderung, Lernbehinderung sowie von Menschen mit Verhaltensauffällig-keiten. Gleichzeitig stellt sie eine Wertschätzung der besonderen Leistung von Men-schen mit geistiger Behinderung dar. Es ist klar, dass eine Intelligenzminderung das Fussballspielen dieses Personen-kreises verändert. Taktische Elemente werden nachrangig, es sind Verzögerungen in der Spielauffassung und motorische Defizite zu erwarten. Um diesen Einschränkungen Rechnung zu tragen wurde die Kategorie des ID-Fussballs entwickelt. Hier lässt sich sehr gut demonstrieren, dass nicht jede Inklusion von Behinderungen in die Normalität möglich ist, sondern Sonderformen angeboten werden sollten. Ziel dieser Sonderform muss immer sein, dass die TeilnehmerInnen ihre geliebte Sportart freudiger und erfolgreicher ausführen können als im normalen Spielbetrieb. Das Regelwerk wurde für die ID-Hessenmeisterschaft gelockert: So darf beliebig oft gewechselt werden, es gibt kein Abseits und Regelverstöße werden mit Rücksicht auf die Behinderung geahndet, schließlich sind Reaktion und Motorik der Spieler ein-geschränkt. Schiedsrichterin Victoria Bischoff lobt die Fairness der Teilnehmer: „Es gab kaum Fouls, kein Rumgemeckere, und ich hatte wirklich wenig zu pfeifen.”
„Unser langfristiges Ziel beim Fußball ist ein echter Ligabetrieb, wie es ihn etwa schon in Nordrhein-Westfalen gibt”, sagt Gerhard Knapp gegenüber dem Wiesbade-ner Tagblatt: „Diese erste Hessenmeisterschaft ist ein Anfang. Im nächsten Jahr wollen wir vier Regionalausscheidungen abhalten, danach ziehen die besten Teams in die Finalrunde ein.” Die erste Hessenmeisterschaft hat gezeigt, dass die Sonderform zu einem spannen-dem Turnier führte. Die Endrunde wurde in einer Vor- und Endrunde durchgeführt, jede Mannschaft spielte zweimal gegeneinander. Wenn nach 12 Spielen gerade 17 Tore erzielt wurden zeigt dies einen engen Leistungsstand. Nach der Vorrunde lagen zwei Mannschaften mit je fünf Punkte an der Spitze, der Abstand aller Mannschaften betrug gerade drei Punkte. Klar, dass dies eine spannende Rückrunde einläutete. Die ausgeglichenen Spiele sorgten dafür, dass die Teilnehmer besonders motiviert waren Bestleistungen zu erbringen. Aus Sicht des Veranstalters standen die Spiele für diese Kategorie auf einem recht guten spielerischen Niveau. Gerade die Ausge-glichenheit in allen Mannschaftsteilen war positiv, überragende und dominierende Einzelakteure gab es nicht. Sportvereine, die sich eine eigene Behindertenmannschaft leisten, gebe es noch viel zu selten, so Gerhard Knapp gegenüber dem Wiesbadener Kurier. Inzwischen gebe es aber schon eine Reihe von Kooperationen, wie etwa des VSG Wiesbaden und SV Schierstein 1913. Der Präsident des HBRS nahm die Siegerehrung persönlich vor. Er dankte beson-ders den Ausrichtern VSG Wiesbaden und SV Schierstein 1913 für die gelungene Veranstaltung und erklärte den Spielern, dass sie wichtigste Akteure einer histori-schen Veranstaltung gewesen sind durch aktive Teilnahme an der ersten Hessischen ID-Fussballmeisterschaft. Abschließend übergab er jeder Mannschaft einen Pokal, die Spieler der drei erstplazierten Mannschaften wurden mit einer Medaille geehrt. Die Hessischen Meisterschaften 2010 für Menschen mit intellektuellen Beeinträchti-gungen sind der erste Schritt, in Hessen eine ID-Auswahlmannschaft aufzubauen. Ziel ist die erstmalige Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften für Länderaus-wahlmannschaften. Diese finden im Mai 2011 in Bayern statt. Ergebnisse und Abschlusstabelle: SVSG Wiesbaden - Reha Werkstatt Lauterbach 0 : 0 Reha Werkstatt Schotten - TV Gross Umstadt 0 : 1 SVSG Wiesbaden - Reha Werkstatt Schotten 1 : 0 Reha Werkstatt Lauterbach -TV Gross Umstadt 1 : 1 TV Gross Umstadt - SVSG Wiesbaden 0 : 0 Reha Werkstatt Schotten - Reha Werkstatt Lauterbach 1 : 0 TV Gross Umstadt - Reha Werkstatt Schotten 0 : 2 Reha Werkstatt Lauterbach - SVSG Wiesbaden 0 : 3 Reha Werkstatt Schotten - SVSG Wiesbaden 1 : 2 TV Gross Umstadt - Reha Werkstatt Lauterbach 1 : 1 SVSG Wiesbaden - TV Gross Umstadt 1 : 0 Reha Werkstatt Lauterbach - Reha Werkstatt Schotten 0 : 1 Mannschaft Sp. Pkt. Tore Diff. 1. SVSG Wiesbaden 6 14 7 : 1 6 2. Reha Werkstatt Schotten 6 9 5 : 4 1 3. TV Gross Umstadt 6 6 3 : 5 -2 5. Reha Werkstatt Lauterbach 6 3 2 : 7 -5
Bericht Lothar Simon
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