Bewegung für alle

28.09.2018 19:45 Von: Dorothee Dorschel

GROSS-UMSTADT (doro). Jörg Roßkopf ist der wohl bekannteste Groß-Umstädter, der als Aktiver bei Welt- und Europameisterschaften schon ganz oben auf dem Treppchen stand. Doch der heutige Tischtennis-Bundestrainer ist nicht der einzige Sportler aus der Odenwälder Weininsel, der bei internationalen Meisterschaften die Siegermedaille umgehängt bekam. Schon viele Auszeichnungen für herausragende Leistungen auf nationaler und internationaler Ebene konnten auch die Aktiven der Behindertensportabteilung des TV Groß-Umstadt entgegennehmen. Jeder Mensch mit Behinderung solle die Möglichkeit der Teilnahme am Sport im Prozess der Rehabilitation sowie unter dem Aspekt der medizinisch begleiteten Gesundheitsförderung bekommen, heißt es in den Statuten des Deutschen Behindertensportverbands. Der Behindertensport sei sowohl ein Mittel der Rehabilitation als auch der gesellschaftlichen Integration. Doch während die Teilnahme an Wettkämpfen, die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und ständige Präsenz für höchste Anerkennung der Behinderten in der Ära des ehemaligen, langjährigen Abteilungsleiters Manfred Picolin noch deutlich im Fokus standen, hat sich dies unter neuer Regie seit knapp vier Jahren grundlegend geändert. „Bei uns geht es in erster Linie um den Spaß und die Bewegung“, schildert Abteilungsleiterin Christa Kreis, die bereits seit 13 Jahren Übungsleiterin ist. „Dennoch sind wir ein Turnverein und betreiben aktiven Sport." Gegründet wurde die Behindertensportabteilung des TV Groß-Umstadt im Jahr 1980 von Heiner Hax und Manfred Picolin. Letzterer ist Vater einer behinderten Tochter und war der Meinung, dass es für auch Menschen mit Handicap die Möglichkeit einer sportlichen Betätigung geben muss. Mit der Kindergruppe gibt es aktuell 62 Aktive in der Behindertensportabteilung. Davon treiben einige - auch "Rollifahrer" - Gymnastik, üben Zirkeltraining und Parcours sowie Geschicklichkeits-, Lauf- und Wurfspiele mit diversen Geräten wie Reifen oder Bällen. Andere gehören der Tanzgruppe an. Die weitaus meisten sind in der Fußballgruppe. Nicht nur aus Groß-Umstadt kommen die Behindertensportler, auch aus Babenhausen, Dieburg oder weiter her. Eine feste Gruppe wird von der Otzberger Heydenmühle hierher begleitet. Andere kommen alleine mit dem Bus. Jeden Freitag trifft man sich für eine Stunde und kann die gesamte Dreifachturnhalle der Heinrich-Klein-Halle nutzen. "Ich bin schon über 30 Jahre hier", sagt Patricia Poley (50 Jahre), die von der Dieburger Lebenshilfe nach Groß-Umstadt kommt. "Ich mache gern die Gymnastik zum Aufwärmen. Eigentlich gehöre ich zur Tanzgruppe. Ich mag gern Schlagerparty und das Johannisfest. Da sind wir sogar schon aufgetreten." Beim Anfeuern der Sportmannschaften ist Sabine aus Dieburg gern mit dabei, besonders bei Fußballspielen, "zum Helfen und so". Sie hat auch schon vor Leuten getanzt, berichtet die bei den Dieburger Behindertenwerkstätten in der Küche Beschäftigte. Nach Groß-Umstadt, zum Training, kommt sie mit dem öffentlichen Bus. Ebenso wie Lucia Koska (67). "Das ist für den Körper gut", sagt diese, nach ihrem Sport befragt. "Ich tanze auch furchtbar gern." Sportlicher Leiter ist wie Abteilungsleiterin Kreis ebenso im vierten Jahr Matthias Mudrich. Ihm zur Seite stehen regelmäßig Betreuer, die mithelfen. Wie die 20jährige Marie Ludwig, die samstags eine Kindergruppe mit derzeit 13 behinderten Kindern in der Geiersbergschule leitet, welche Christa Kreis aufgebaut hat. "Der Kindersport wurde von jugendlichen Schülern begleitet, um zu zeigen, dass auch Menschen mit Behinderungen an sportlichen Aktivitäten teilnehmen können", erläutert Christa Kreis. Vor fünf Jahren sei Marie Ludwig als ehrenamtliche Betreuung für zwei Jahre im Kindersport gewesen. "Ich persönlich sehe es als großen Erfolg an, dass sie nach ihrer Lehrzeit beim Landkreis Darmstadt-Dieburg die Kindersportgruppe übernommen hat", so die Abteilungsleiterin, die gleichfalls durch ihre behinderte Tochter vor vielen Jahren zum Behindertensport gestoßen war. Info-Box: Zur Behindertensportabteilung des TV Groß-Umstadt gehört außerdem noch der Rehasport mit Gruppen für Herzsport - stets unter ärztlicher Betreuung - sowie Orthopädie, Brustkrebs und Adipositas. "Der Rehasport wurde in den letzten drei Jahren erfolgreich ausgebaut", erklärt Christa Kreis."Und seitdem wir die Abteilung übernommen haben, finanzieren wir uns selbst." Zitat der Abteilungsleiterin Christa Kreis: "Wir betreiben aktiven Sport, in erster Linie geht es uns aber um den Spaß und die Bewegung.“

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