Nach dem einjährigen Abenteuer in der zweiten Liga hat es einige Zeit gedauert, bis sich der TV Groß-Umstadt eine Etage tiefer zurechtgefunden hat. Dafür gab es drei gute Gründe. Fünf Stammspieler um Torjäger Nico Büdel verließen den Verein, ein neuer Spielmacher musste integriert werden. Zudem ersetzte Jens Becker den äußerst erfolgreichen Ralf Ludwig auf dem Trainerposten.
Das Auftaktprogramm gegen die Topteams der Liga hatte es in sich, und so fand man sich gleich mit 0:6 Punkten am Tabellenende der überraschend starken Staffel wieder. Mittlerweile ist der Turnverein auf einem soliden siebten Tabellenplatz angekommen (16:14 Punkte). Dass die Blau-Weißen nach dem etwas verkorksten Saisonstart wieder in die Erfolgsspur fanden, lag auch an dem starken Auftritt Ende Oktober in Kirchzell. Der 28:25-Erfolg bei den heimstarken Unterfranken brachte zusätzliche Sicherheit. Immer harmonischer wurde auch das Zusammenspiel mit dem neuen Spielmacher Tegaday Ramos-Nuez, der sich auch aufgrund seiner Defensivqualitäten zu einem echten Glücksgriff erwies.
Trainer Jens Becker pflegt einen etwas anderen Führungsstil als sein Vorgänger, der die Spieler zumeist an die kurze Leine legte, mit klaren Vorgaben im Abschluss. Becker setzt auf mehr Individualität, was der Wersauer allerdings auch mit den personellen Veränderungen und dem Spielwitz von Ramos-Nuez begründet. Das offensiv ausgelegte Defensivkonzept um eine bewegliche 3-2-1-Formation wurde indes beibehalten. „Ich denke nicht, dass wir mehrere Formationen brauchen. Für diese Klasse haben wir genau die richtige Abwehr, die sich sehr variabel gegnerbezogen verändern lässt“, erklärt Becker, der auch mit dem Tempospiel zufrieden ist. „Manchmal würde ich mir allerdings beim Torabschluss mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen wünschen“, befindet der Finanzbeamte.
Wäre da noch die Auswärtsschwäche. Von acht Auftritten in der Fremde gingen fünf verloren. Zwei der drei Siege gelangen in den Derbys gegen Kirchzell und Obernburg. Ein Rezept hat auch Becker noch nicht gefunden: „Bei Heimspielen ist die Konzentration, Vorfreude und Anspannung höher als in der Fremde nach mehrstündigen Busfahrten mit Karten- oder Computerspielen. Zuletzt hatten wir mehrere Laptops im Bus und haben uns nochmals den Gegner angeschaut“.



