Thorsten Wortmann interviewt den Trainer der Regionalliga-Handballer, Ralf Ludwig

06.11.2007 10:06 Von: Thorsten Wortmann

Nach der Niederlage in Mülheim - vor dem Spiel gegen Budenheim

Das TVG Team-Interview .

Diese Ausgabe des TVG-TI mit unserem Trainer Ralf Ludwig wurde einen Tag nach dem Punktspiel gegen die HSG Mülheim-Kärlich/Bassenheim geführt.

 

 

 

TVG-TI Redaktion:

Hallo Ralf,

ein kurzer Rückblick auf die absolvierte Auswärtspartie gegen die HSG Mülheim-Kärlich. Nachdem ihr in Hochdorf aufgrund einer wahren Energieleistung in der zweiten Halbzeit noch einen verdienten Punkt entführen konntet, hingen die Trauben in Mühlheim wohl ein wenig zu hoch für Euch. Wie analysierst Du im Nachhinein das verlorene Spiel?

 

 

Ralf Ludwig:

Die Analyse eines verlorenen Spiels ist immer sehr ernüchternd, zeigt Dir aber meist die eigenen Fehler deutlich auf und ist somit immer eine Chance zur Weiterentwicklung.

Vereinfacht ist zu den beiden Spielen folgendes anzumerken: Hochdorf = 22 Gegentore – Mühlheim = 39 Gegentore. Das ist ein Resultat des eigenen Irrglaubens, bereits eine gute Abwehr zu haben und darüber hinaus mit 9 Punkten ja ohnehin besser zu stehen als erwartet. So sind wir unterbewusst mit einer gewissen „Selbstzu-friedenheit“ nach Mühlheim gefahren und der ein oder andere Spieler hat vielleicht die mahnenden Worte des Trainers nicht ganz so ernst genommen – „So schlimm wird’s schon nicht sein“...! Nun müssen wir folgen-des feststellen: Wir haben zumindest vorher gewusst was passieren wird – haben es aber nicht zu verhindern gewusst.

 

Eins muss die Mannschaft, aber auch das ganze Umfeld in Umstadt unbedingt realisie-ren: Wir sind aufgrund unserer (gegenüber anderen Mannschaften) körperlich und spielerisch begrenzten Möglichkeiten der Einzelspieler immer wieder gezwungen, 100% Wille und Kampfkraft auf das Spielfeld zu bringen – sonst werden wir keine Punkte holen können. Wir haben keinen Schäfer oder Kutlesa, die ein Spiel ganz alleine entscheiden können! Wir brauchen unser Kollektiv! Und ganz ehrlich: Das ist es doch auch, was uns die letzten 4 Wochen so viel Spaß bereitet hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur eine Halbzeit des „Schaun mer mal, wir haben doch keinen Druck Handballs“ in Mühlheim haben ausgereicht, um letztendlich

ganz verdient gegen eine Reihe guter Einzelspieler zu verlieren, die schlichtweg zu Beginn des Spiels mehr gebrannt haben als wir. Mit dieser Einstellung haben wir in der Abwehr 60 Minuten lang quasi jedes 1:1 verloren. Reine Willensache – und als man dann den Ernst der Lage erkannt hatte und kämpferisch dagegengehalten wollte, konnte man nicht mehr!

 

Nicht das ich mich jetzt missverständlich ausgedrückt habe bzw. falsch verstanden werde – meiner Mannschaft ist kämpferisch nichts vorzuwerfen. Sie hat bis zum Schluss alles gegeben. Jedoch waren wir von Beginn an nicht konzentriert genug bei der Sache und haben uns in der Abwehr nicht die Vorgaben umsetzen können – und so haben wir gegen keinen Gegner in dieser Liga eine Chance.

 

 

TVG-TI Redaktion:

Eure bisherigen Erfolge resultierten u.a. von der sehr starken körperlichen Verfassung des Teams. Zollt Euer enormer Aufwand so langsam seinen Tribut?

 

 

 

Ralf Ludwig:

Ich bin der Meinung, dass ich diese Frage mit einem glatten Nein beantworten kann.

Viele unserer Spieler sind im Bereich der konditionellen Fähigkeiten, Schnelligkeit und Ausdauer in einem sehr guten Zustand. Allerdings haben wir im mindestens genau so wichtigen Bereich der Kraft oder besser der Athletik nach wie vor zum Teil große Defizite. Das haben wir am Wochenende einmal mehr aufgezeigt bekommen. Nichts desto trotz hat uns unsere gute Physis bis dato bereits einige Punkte beschert. Aber wir wissen seit Beginn der Vorbereitung um unsere Stärken und unsere Schwächen - und genau aus dieser Kenntnis heraus müssen wir versu-chen, einen offensiven und schnellen Handball zu spielen, dessen Basis zum Erfolg nur über eine gute Physis gelegt werden kann. Wie bereits mehrfach an dieser Stelle geäußert, trainiert die Mannschaft hierfür sehr eifrig und hat sich daher auch bestens entwickelt, daher bin ich fest davon überzeugt, dass uns auch diese Niederlage nicht umschmeißen wird und deren Ursache nicht an unserem enormen Aufwand der vergangenen Wochen gelegen hat. Wir sind fit genug diese Belastungen auszuhalten und trainieren entsprechend dosiert um auch in den kommenden Wochen mit unserer Physis den Grundstock für weitere Punkte zum großen Ziel „Klassenerhalt“ zu legen.

 

TVG-TI Redaktion:

Nun zu unserem heutigen Gegner. Mit der SF Budenheim gastiert ein Team in der Heinrich-Klein-Halle, dass nach Experten-meinungen vor der Saison als sicherer Abstiegskandidat zählte. Wieviel diese Expertenmeinungen wert sind zeigt das augenblickliche Tabellenbild, in dem sich unser Gast im oberen Drittel bisher etablieren konnte. Wie stark schätzt Du die Rheinland-Pfälzer ein?

 

Ralf Ludwig:

Die Absteiger: Hermsdorf, Budenheim Pohlheim und Gross-Umstadt!! Nicht wenigen haben vor Rundenbeginn diese 4 Mannschaften immer wieder mit dem Thema Abstieg in Verbindung gebracht. Zumindest wir und Budenheim stehen derzeit etwas überraschend in der Tabelle. Insofern ist das heute quasi die „Überraschungspartie“ des Mittelfelds.

Ich sage es mal ganz einfach. Wer in dieser Regionalliga nach 9 Spieltagen 10 Punkte auf der Habenseite hat, dabei Mannschaften wie Hassloch, Kirchzell und Hochdorf geschlagen hat und lediglich bei den Topteams Gross-Bieberau, Saarlouis, Nieder-Olm und Gelnhausen verloren hat, der kann Handball spielen... und das auch noch gut!

Budenheim hat ähnlich wie wir keine alles überragenden Einzelspieler, sondern ist als Mannschaft unglaublich eingespielt und profitiert von einem enormen Spieltempo und ihrer etwas unorthodoxen 3:3 Abwehr die viele Gegner vor größte Probleme stellt.

Aber trotzdem bin ich der Auffassung, dass sowohl Budenheim wie auch wir nach wie vor dringend Punkte gegen den Abstieg benöti-gen. Denn nach Lage der Dinge sind 4 Absteiger zu erwarten – und von diesem Platz sind weder wir noch Budenheim weit entfernt. Daher ist es für mich trotzdem das von allen Experten erwartete Spiel gegen den Abstieg. Ein sogenanntes 4 Punkte-Spiel.

 

TVG-TI Redaktion:

Die Leistungen der Budenheimer können nicht unterschiedlicher sein. In der heimi-schen Halle konnten bisher fünf Siege eingefahren werden, auswärts hagelte es z.T. heftige Niederlagen. Wie beurteilst Du daraus unsere Chancen auf einen erneuten Heimsieg?

 

Ralf Ludwig:

Budenheim hatte 4 Auswärtsspiele: Gross-Bieberau, Saarlouis, Nieder-Olm und Gelnhausen – warten wir mal ab, wer bei diesen Mannschaften punkten wird. Bis heute ist es noch niemandem gelungen (außer Saarlouis in Gelnhausen). Insofern kann man dieser Feststellung keinerlei Aussagekraft beimessen.

Wir werden sicherlich auch mit einer anderen Erwartungshaltung nach Budenheim fahren als nach Gross-Bieberau oder Saarlouis – wenngleich wir grundsätzlich jedes Spiel gewinnen wollen. Unabhängig davon. Wir sollten genug Selbstvertrauen haben, um mit der Unterstützung unseres Publikums heute zwei enorm wichtige Punkte gegen einen direkten Konkurrenten einfahren zu können.

 

TVG-TI Redaktion:

Danke für das Interview und viel Erfolg in der anstehenden Partie.

 

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