Interview mit Ralf Ludwig - dem Trainer der Regionalliga-Handballer

30.04.2008 08:46 Von: Torsten Worthmann

Vor dem Spiel gegen den SV Hermsdorf

Das TVG Team-Interview .

Diese Ausgabe des TVG-TI mit unserem Trainer Ralf Ludwig wurde eine Woche vor dem Spiel gegen Hermsdorf geführt.

 

 

 

TVG-TI Redaktion:

Hallo Ralf,

vorweg schon einmal „Herzlichen Glück-wunsch“ zum Klassenerhalt. Der TVG wird als bester Aufsteiger diese Saison voraus-sichtlich mit Platz 7 oder 8 abschließen und ist so erfolgreich wie seit Jahren nicht mehr! Welches Fazit ziehst Du persönlich aus diesem Jahr und ist diese Leistung in der nächsten Saison überhaupt noch zu Toppen?

 

Ralf Ludwig:

Zunächst vielen Dank für die Glückwünsche.

Wir haben noch drei Spiele, insofern möchte ich heute eigentlich ungern bereits ein Fazit der gesamten Saison ziehen. Hierzu sind mir die Auftritte in diesen drei Spielen noch viel zu wichtig. Und letztlich wird sich damit auch entscheiden, ob wir ein positives, ein ausgeglichenes oder ein negatives Punkte-konto haben werden. Für mich ist das sehr wichtig. Trotzdem, wir werden die Saison vorrausichtlich auf einem einstelligen Tabellenplatz beenden und haben teilweise richtig mitreisenden Handball gezeigt, zumindest hier in Groß-Umstadt. Die Saison lief erfolgreicher als man erwarten durfte. Auf den ersten Blick ist sportlich also alles paletti. Bei genauem Hinsehen wird man aber feststellen, dass der Abstand zu den Abstiegsplätzen gar nicht so groß ist. Und genau aus diesem Grund sollten wir nicht den Fehler begehen, wie selbstverständlich davon auszugehen, dass wir nächste Saison die diesjährige Leistung Toppen werden. Sicherlich ist unser Ziel immer die stetige Weiterentwicklung, jedoch wird die kommen-de Saison 08/09 erneut eine richtig schwere Spielzeit, bei der es für uns zunächst nur ums Überleben gehen kann. Wer etwas anderes erwartet, wird sehr enttäuscht werden.

 

TVG-TI Redaktion:

Im letzten TVG-TI hast Du einen gewissen Substanzverlust angesprochen. Siehst Du Dich nach den Spielen in Offenbach und Gelnhausen darin bestätigt. Wenn ja, worin siehst Du die Gründe hierfür?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ralf Ludwig:

Eindeutig ja. Ich sehe meine Aussage deutlich bestätigt. Wir spielen bei Weitem nicht mehr so stark wie noch in der Hinrunde. Lediglich 9 Punkte in der Rückrunde spre-chen hier ja auch eine deutliche Sprache. Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig und wurden die letzten zwei Wochen zu genüge analysiert. Angefangen von der Jugendlich-keit und der falschen Interpretation von „Dampf raus nehmen“ über geringer Trai-ningsintensität und –beteiligung und nur noch unregelmäßigen Spielersitzungen im Autmundis bis hin zu mehrfacher Betreuung von lediglich 2 Offizielle während eines Punktspiels. Es sind viele Kleinigkeiten, die sich nach der sehr starken Hinrunde sukzes-sive eingeschlichen haben und die wir zur neuen Saison dringend wieder abstellen müssen. Aber eine aus meiner Sicht maß-gebliche Ursache wurde mir nach dem Spiel in Gelnhausen wieder mehr als deutlich mitgeteilt. „Wir trainieren jeden Abend – da kann ich mit dieser Leistung doch nicht zufrieden sein“ waren die Worte von Louis Rack in der Pressekonferenz. Das heißt im Klartext, 6 mal Handball pro Woche zuzüglich weiterer Krafteinheiten. Auch von anderen Top-Mannschaften sind ähnliche Bedingun-gen bekannt. Davon sind wir Meilenweit entfernt. Das wiederum bringt physische Nachteile mit sich, die gerade am Ende der Saison besonders zum Vorschein kommen. Nun könnte man ja einfach sagen: „Dann trainiert doch auch mehr“ – und eben genau das geht nicht so einfach. Dazu benötigt man ein professionelles Umfeld mit gewachsenen Strukturen und vor allem auch wirtschaftliche Mittel. Beides ist hier in GU derzeit nur bedingt vorhanden. Kein Grund zu jammern, aber man muss einfach nur wissen, dass wir uns in dieser Liga teilweise mit Halbprofis messen. Und allein dies sollte uns für die kommende Saison wieder motivieren.

 

TVG-TI Redaktion:

Mit dem SV Hermsdorf gastiert heute in der HKH ein Team, das bereits seit Wochen als Absteiger feststeht. Im Eiskunstlauf würde man fragen: „Ist das heute eher ein Pflicht- oder ein Kürprogramm?“

 

Ralf Ludwig:

Wenn man im Jahr 2008 erst 9 Punkte ergattert und zudem in den letzten Wochen nicht gerade berauschend gespielt hat, stellt dieses Spiel weit mehr als ein Pflichtpro-gramm dar. Es gilt endlich mal wieder eine überzeugende Partie abzuliefern. Ganz egal wie der Gegner heißt – dass sind wir unseren Fans aber vor allem uns selbst schuldig. Wir haben alle sehr viel Zeit und Trainingsfleiß investiert um da zu stehen wo wir derzeit sind, dass sollten wir uns jetzt nicht durch eine Negativserie kaputt machen. Bekannt-lich ist ja der letzte Eindruck der Bleibende. Hermsdorf bleibt dem Vernehmen nach weitgehend zusammen und wird daher jedes Spiel nutzen, um sich weiter einzuspielen. Die letzten zwei Spiele mit dem Sieg gegen Hochdorf und einer Halbzeitführung in Saarlouis bestätigten dies eindrucksvoll.

 

TVG-TI Redaktion:

Mit Christopher Prinz aus Holzheim und Johannes Klimmer aus Obernburg habt Ihr für die nächste Saison zwei talentierte Spieler für die Weininsel verpflichtet. Insgesamt stehen dazu vier Abgänge entgegen. Ist der Kader aus Deiner Sicht in der Breite groß genug, oder wollt Ihr Euch noch zusätzlich verstärken?

 

Ralf Ludwig:

Zunächst möchte ich einmal anmerken, dass ich mich sehr auf unsere zwei neuen, jungen Spieler freue. Christopher ist gerade mal 22 Jahre und Johannes wird Ende August volljährig. Beide sind zwei wirklich talentierte Spieler, die eine äußerst gute Grundausbil-dung vorweisen können und sicherlich ihre „große“ Handballzeit noch vor sich haben. Sie passen also wunderbar in unser Team und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Sie uns als Team weiterbringen und uns allen in Umstadt viel Freude machen werden.

Da demgegenüber mit Waigi, Freddy, Christoph und Eichi vier Abgänge stehen, reduziert sich unser Kader auf 14 Spieler. Ich glaube eigentlich, dass ein Kader von 14 ausreichend ist für eine Saison. Schließlich durfte man bis vor 5 Jahren lediglich 12 Spieler einsetzen und war mit 14 Spielern quasi überbesetzt. Allerdings möchte ich nicht verhehlen, dass ich aufgrund der sportlichen Leistung der letzten zwei Monate und aufgrund unseres regelmäßigen Krankenstandes nicht ganz abgeneigt bin, noch einen Spieler in unseren Kader aufzunehmen.

Aber wollen ist das eine, können das andere. Bevor wir uns darüber Gedanken machen, müssen wir erst einmal einen Spieler finden, ohne dabei unser bestehende Mannschafts-gefüge zu sprengen.

 

TVG-TI Redaktion:

Zum Abschluss noch eine nicht ganz ernst gemeinte Frage. In einigen Internetforen wird derzeit die „Mannschaft der Saison“ gewählt. Als Trainer der Mannschaft tauchen immer wieder die Namen „Göttmann“ und „Ludwig“ auf. Erfüllt Dich dies ein wenig mit Stolz?

 

Ralf Ludwig:

Jeder Mensch der behauptet, dies wäre nicht der Fall, würde lügen J!

Ich bin mit viel Engagement bei der Sache, habe aber auch eine tolle junge Mannschaft, mit der das Arbeiten zumindest überwiegend sehr viel Spaß macht.

Trotzdem darf man als Trainer nicht verges-sen, wie schnelllebig unser Geschäft ist. Hans Meyer war letztes Jahr nach dem DFB-Pokalsieg mit dem 1. FC Nürnberg als „unkündbar“ geehrt worden. Ein dreiviertel Jahr später wurde er (leider) entlassen und tingelt bald als „Promi“ mit Holger Z. durch die EM-Stadien J! So ist das leider.

Aber ich lasse mich von meiner Vision „3. Bundesliga in Groß-Umsadt“ (soll 2010/2011 eingeführt werden) nicht abbringen – aber das geht ohnehin nur mit der notwendigen Unterstützung der Fans...

... fangen wir am besten heute an!

 

TVG-TI Redaktion:

Danke für das Interview und viel Erfolg in der anstehenden Partie.

 

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