Interview mit den Regionalliga-Handballtrainer Ralf Ludwig

25.03.2008 10:24 Von: Thorsten Wortmann

Vor dem Spiel gegen Mühlheim/Kärlich (bereits Samstag)

Das TVG Team-Interview .

Diese Ausgabe des TVG-TI mit unserem Trainer Ralf Ludwig wurde eine Woche vor dem Spiel gegen MüKäBa geführt.

 

 

 

TVG-TI Redaktion:

Hallo Ralf,

zunächst ein kurzer Blick zurück auf das dramatische Spiel gegen Hochdorf. Sicher-lich ein glücklicher doppelter Punktgewinn, der erst in der letzten Sekunde unter Dach und Fach eingefahren werden konnte. Was aus meiner Sicht auffallend war, waren insbesondere neben den ungewöhnlich moderaten Torhüterleistungen zwei Fakten, die beinahe den Sieg gekostet hätten:

Undiszipliniertheiten, die zu 2-Minuten Strafen führten und mangelnde Konsequenz – fast schon teilweise Überheblichkeit - im Abschluss. Wie siehst Du die Leistung mit nun etwas mehr „Abstand“?

 

Ralf Ludwig:

Mit nunmehr über einer Woche Abstand lässt sich das Spiel gegen Hochdorf etwas leichter - weil rein sachlich - analysieren, zumal wir das Spiel ja gewonnen haben. Wie Du sicherlich nicht zu unrecht angemerkt hast, kann man den Sieg durchaus als etwas glücklich bezeichnen. Allerdings fallen mir dazu folgende Punkte ein, die ich mit aller Deutlichkeit formulieren möchte:

 

1. Wir haben gegen eine an diesem Tag spielerisch und kämpferisch wirklich sehr starke und taktisch top eingestellte Mann-schaft gewonnen! Daher ein „Hut ab“ an meine Mannschaft!

2. War es ein klasse Regionalligaspiel mit einer sehr guten zweiten Halbzeit von uns. Spielerisch und vor allem kämpferisch top!

3. Ist es meiner Auffassung nach der erste Sieg in dieser Saison, den man überhaut als „glücklich“ bezeichnen kann!

4. Hat die Mannschaft vor allem in der zweiten Halbzeit wirklich eine tolle Moral gezeigt und richtig dagegengehalten... und Glück muss man sich halt erarbeiten.

5. Der wohl wichtigste Punkt:

„Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“ oder auch „Immer schön auf dem Boden bleiben“! Wir haben als Aufsteiger nach 22 Spieltagen 23 Punkte – Auch hier ein „Hut ab“ an meine Mannschaft!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu den von Dir als auffallend analysierten drei Faktoren:

1. Moderate Torhüterleistung:

Stimme ich Dir zu. Das ist aber kein Grund darüber ein Wort zu verlieren. Wir haben zwei gute Torhüter, die selbst am unzufrie-densten sind mit ihrer gezeigten Leistung. Wir brauchen einen starken Rückhalt um erfolgreich sein zu können, dass wissen beide. Umso erstaunlicher und bemerkens-werter, dass wir trotzdem gewonnen haben.

2. Undiszipliniertheiten

Das sehe ich ganz anders. Die Schiedsrichter lobten sogar nach dem Spiel unser diszipli-niertes auftreten. Einzig und alleine zwei oder drei unclevere Abwehraktionen, die völlig zu Recht mit 2 Minuten bestraft wurden, waren etwas unbeherrscht. Dies aber jetzt in den Vordergrund zu schieben ist nicht korrekt. Insgesamt 5 Zeitstrafen gegen uns sind auch nicht groß der Rede wert.

3. Teilweise überheblicher Abschluss

Das wir im Abschluss nicht die besten sind, ist mir schon lange bekannt. Daher empfand ich das jetzt gar nicht als so extrem! Von Überheblichkeit habe ich nichts bemerkt und ich glaube auch nicht, dass einer unserer Spieler es sich leistet, überheblich aufzutre-ten. Wenn ja, wäre er völlig fehl am Platz. Und eins sei noch bemerkt: Der Weber-Heber ist in aller Regel einer der sichersten Würfe in unserer Mannschaft J!!!

TVG-TI Redaktion:

Mit der HSG Mülheim/Kärlich/Bassenheim gastiert heute ein Team auf der Weininsel, das mit zu den „Tormaschinen“ der Liga zu zählen ist. Im Hinspiel habt ihr auch dort die meisten Gegentore in dieser Spielzeit kassiert. Liegt wie so oft auch heute die „Wahrheit“ in der Defensivarbeit?

 

Ralf Ludwig:

Nicht zwingend nur an der Defensivarbeit an sich! Vor allem ist es immens wichtig, dass schnelle Konterspiel der HSG zu unterbin-den. Dazu benötigt man zu allererst aber ganz disziplinierten Angriffshandball um nicht durch zu viele einfache Fehler oder überhas-tete Aktionen ins offene Messer zu rennen! So wie beispielsweise im Hinspiel – dort sind wir förmlich 60 Minuten überrannt worden und waren zu keinem Zeitpunkt in der Lage, dem Tempospiel der HSG Einhalt zu gewähren. Mal schauen ob uns das diesmal besser gelingt! Jedenfalls reist die HSG Mülheim/Kärlich/Bassenheim mit der Empfehlung eines Punktgewinns gegen Groß-Bieberau an und wird daher mit großem Selbstvertrauen einlaufen. Da gilt es für uns möglichst alles dagegenzuhalten.

Am Rande sei noch bemerkt, dass in Reihen der HSG der absolute Topscorer der Regionalliga spielt. Kai Schäfer führt die aktuelle Torschützenliste mit 173 erzielten Toren (davon 27 Siebenmeter) an. Bemer-kenswert ist vor allem, dass er als Kreisspie-ler mit derzeit 146 Feldtoren (da wird selbst Paddy blass J) die Liste mit über 20 Toren Vorsprung ganz klar anführt.

Für eine 3:2:1 Abwehr ist solch ein Kreisläu-fer geradezu Gift und nicht wirklich auszu-schalten. Nicht zuletzt auch deswegen, wird dieses Spiel eine echt schwierige Aufgabe und große Herausforderung werden.

 

TVG-TI Redaktion:

Mit einem heutigen Sieg kommt ihr dem Klassenerhalt sehr nahe. Würde dies die Suche nach einem Torhüter für den schei-denden Torsten Eichhorn erleichtern?

 

Ralf Ludwig:

Bei einem heutigen Sieg hätten wir 25 bei einer Niederlage immerhin 23 Punkte – nicht mehr und nicht weniger. Ich glaube die Suche nach einem neuen Torwart würde das in keiner Weise beeinflussen. Ich hatte bereits in der letzten Ausgabe geschrieben, dass es an der Zeit ist, mit etwas mehr Selbstvertrauen aufzutreten und nicht ständig nach hinten zu schauen – ohne dabei unsere Ziele aus den Augen zu verlieren. Dabei möchte ich jedoch nochmals deutlich auf Punkt 5. der Beantwortung der heutigen ersten Fragestellung hinweisen.

Wir haben eine tolle junge Truppe – und wer zu uns kommen möchte, der glaubt auch an uns und unser Team und wird daher nicht in Frage stellen, in welcher Liga wir in der nächsten Saison spielen. Davon bin ich fest überzeugt!

Was einen neuen Torhüter angeht, so sind wir derzeit sehr optimistisch, einen guten jungen Mann zu finden, der in unser sportli-ches Konzept bestens reinpasst.

 

TVG-TI Redaktion:

Noch ein Wort über die Zuschauer. Trotz sehr guter Leistungen in den Heimspielen erfährt der Handball auf der Weininsel noch nicht den gesellschaftlichen Stellenwert, wie z.B. bei unserem Nachbarn aus Groß-Bieberau. Wie wichtig ist für Euch eine vollere Halle und wie motivierend sind die Zuschauer für Euch?

 

Ralf Ludwig:

In einer vollen Halle Heimspiele auszutragen bedeutet für jeden Handballer einen beson-deren Anreiz. Insofern ist es für uns natürlich ganz besonders wichtig, möglichst viele Fans auf der Tribüne zu haben und sich einer großen Unterstützung sicher zu sein. So wie am vergangenen Wochenende. Da hat uns am Schluss nur die Halle nach vorne getrieben und uns letztlich den Sieg be-schert. Soll heißen, die Zuschauer sind ganz wichtig und motivieren jeden Spieler. Und wenn in Umstadt jemand derzeit an gutem Handballsport interessiert ist, dann muss er nur in die Halle kommen... denn die Jungs kämpfen mit Herzblut und spielen ganz nebenbei wirklich attraktiven Handball...

...von daher bleibt mir nur zu sagen:

Auf geht’s Umstadt, auf geht’s... in die HKH!

 

TVG-TI Redaktion:

Danke für das Interview und viel Erfolg in der anstehenden Partie.

 

 

 

Unsere Sponsoren