Interview mit dem Regionalligahandball-Trainer Ralf Ludwig

22.11.2007 03:14 Von: Thorsten Wortmann

Nach der Niederlage bei Saarpflaz - vor dem Spiel gegen den TV Offenbach

Ralf Ludwig

Ralf Ludwig beim Spiel des TVG gegen eine Japan-Auswahl

Das TVG Team-Interview .

Diese Ausgabe des TVG-TI mit unserem Trainer Ralf Ludwig wurde einen Tag nach der Niederlage bei der VTZ Saarpfalz geführt.

 

 

 

TVG-TI Redaktion:

Hallo Ralf,

zunächst einmal ein kurzer Rückblick auf die absolvierte Auswärtspartie bei der VTZ Saarpfalz. Aus objektiver Sicht gab es dort eine „eingeplante“ Niederlage, die allerdings mit nur drei Toren Unterschied recht knapp ausfiel. Wie analysierst Du im Nachhinein das verlorene Spiel? Wäre evtl. mehr für Euch drin gewesen?

 

Ralf Ludwig:

1. Gibt es bei mir (uns) keine „eingeplanten“ Niederlagen und ich wehre mich strikt gegen die meist aufgrund der Tabellensi-tuation feststehenden Tendenzen, die dem Unterbewusstsein bereits vorher eine Art Chancenlosigkeit signalisieren. Wir wollen jedes Spiel gewinnen – Punkt!

2. Ja, es war deutlich mehr drin.

3. Zeigt uns der mit 3 Toren recht knappe Ausgang des Spieles einmal mehr, dass wir uns als Mannschaft gefestigt haben und nicht mehr einfach mal so überrannt werden. Das sollte uns weiter anspornen und bestätigt unsere gemeinsame Linie.

4. Haben wir es abermals versäumt, von Beginn an die gemachten Vorgaben und Absprachen umzusetzen und sind somit wieder zu schnell ins Hintertreffen gera-ten.

5. War ich von der Leistung unserer „Starting Six“ in Abwehr und Angriff enttäuscht.

6. Hat der Abwehrverband inklusive Torhüter nicht die gewohnte Sicherheit ausgestrahlt und wir mussten zu früh zur Manndeckung als taktisches Mittel greifen.

7. Hatten wir bei 14:14 und 24:26 zweimal die Chance das Spiel zu drehen... und genau dann schlecht und taktisch undis-zipliniert gespielt um uns so selbst um den Lohn unseres Kampfes zu bringen.

8. Bin ich noch immer sehr verärgert und enttäuscht über die indiskutable Schieds-richterleistung. Wir wurden meinem Emp-finden nach über 60 Minuten deutlich benachteiligt. Da hilft auch das Verständ-nis des Gegners und mancher Zuschauer nur bedingt. Solche „Un

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

parteiischen“ hat meine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft und die gesamte Liga nicht verdient.

9. Bin ich auch wütend darüber, dass ich (wir) nicht in der Lage waren, uns auf die unverständlichen Regelauslegungen der Schiedsrichter einzustellen und uns quasi ab der 40. Minute nur noch mit deren einseitigen Pfiffen beschäftigten und so wertvolle Konzentration auf das Wesentli-che verloren ging. Das gilt für Trainer, Betreuer und Mannschaft gleichermaßen!

 

 

TVG-TI Redaktion:

Nach dem Sieg gegen Budenheim war von offizieller Seite verlautet worden, dass die Abwehrarbeit – wie auch in Mülheim - Euch nicht vollständig befriedigen konnte. Machte sich in diesen Begegnungen das Fehlen von Tom Grunwaldt bemerkbar?

 

Ralf Ludwig:

Es ist vollkommen richtig, dass man in den vergangenen drei Spielen mit unserer Abwehrleistung nicht uneingeschränkt zufrieden sein kann. Keine Frage, Tom ist ein sehr wichtiger Spieler für unser Team, insbesondere für die Stabilität unserer Abwehr. Jedoch sollte unsere Mannschaft stets in der Lage sein, einen Spieler mal ersetzen zu können und mir erscheint es zu einfach, das Fehlen eines Einzelnen für eine nicht konsequente Mannschaftsleistung heranzuziehen. Insofern glaube ich nicht, dies an Tom festmachen zu können, zumal auch er am vergangenen Wochenende von Beginn an zu Jenen zählte, die mit dem Angriff der VTZ ihre liebe Mühe hatten. Zudem müssen wir leider auch die kommen-den zwei Spiele, heute und in Hermsdorf, ohne Tom spielen. Und wir müssen nicht nur ohne Tom spielen, wir müssen dringend ohne ihn gewinnen!

 

 

TVG-TI Redaktion:

Mit dem TV Offenbach gastiert heute ein Team zu Gast in der Heinrich-Klein-Halle, das bisher etwas hinter den Erwartungen zurück geblieben ist. Die Mannschaft um Trainer Frank Schindler zeichnet sich in diesem Saisonverlauf vor Allem durch Ihre Unbeständigkeit aus und befindet sich – wie quasi 12 andere Teams – im Abstiegskampf. Wie stark ist unser heutiger Gast wirklich?

 

Ralf Ludwig:

Zumindest mal so stark, dass Sie in Geln-hausen gewinnen konnten und insgesamt bereits 8 Punkte auf ihrem Konto stehen haben. Das mit den Erwartungen in dieser Liga ist so eine Sache. Daher weiß ich gar nicht, ob Offenbach groß hinter ihren Erwartungen zurückliegt. Vom Tabellenplatz vielleicht, aber vom Punktestand (8:14)? Es stehen immerhin bereits 4 Siege zu Buche. Das einzige blöde daran ist, dass mit Ausnahme von Hermsdorf halt alle Mann-schaften dieser Liga fleißig punkten. Somit befinden sich prinzipiell 12 Mannschaften latent im Abstiegskampf. Und ich sage nicht zu ersten Mal, dass es möglicherweise am Ende jemanden trifft, der nicht im Geringsten damit rechnet. Aber dieser Situation Rech-nung tragend muss festgestellt werden, dass fast jeder Gegner schlagbar ist, aber auch jeder eine starke Mannschaft darstellt, die nur hochkonzentriert und mit einer topmoti-vierten Einstellung bezwungen werden kann. Und eben dies gilt auch für den TV Offen-bach.

Offenbach verfügt zudem mit Herle (RL) und Morio (LA) über zwei Top-Scorer der Regionalliga. Zudem stellen Sie eine Mannschaft, die weitestgehend seit der Jugend zusammen agiert und somit quasi blind aufeinander abgestimmt ist.

Für uns gilt es, sich auf diese Stärken gut einzustellen und mit der Unterstützung des Publikums zu unserem Spiel zu finden.

TVG-TI Redaktion:

Mit einem doppelten Punktgewinn könnte man anhand der engen Tabellenkonstellation befreit zum Auswärtsspiel nach Hermsdorf am nächsten Wochenende reisen. Warum bleiben heute die Punkte in Umstadt?

 

Ralf Ludwig:

Stop! Nein! Eines können wir ganz gewiss nicht! Wir können bei der derzeitigen Tabellenkonstellation mit Sicherheit nicht „befreit“ irgendwo hin fahren. Und erst recht nicht zum Tabellenletzten. Wir können die Dinge ja schon so ansprechen wie Sie sind: Fakt ist, dass sowohl das heutige Spiel und insbesondere die Begegnung in der nächsten Woche zu der Kategorie „Big Points“ zählen. Und wer den Begriff aus dem Tennis kennt, der weiß was dies bedeutet. Nur wer die „Big Points“ holt, wird am Ende auch erfolgreich sein können. Und „Big Points“ holt man nicht, indem man eben mal irgendwo „befreit“ hinfährt.

Aber davon mal ganz abgesehen, ist das ohnehin Zukunftsmusik. Unsere volle Konzentration muss zunächst der heutigen Aufgabe gelten. Die Stärke der Liga und des TV Offenbach ist mir und der Mannschaft sehr bewusst und wir werden alles Erdenkli-che daran setzen, heute zwei weitere Punkte zum Ligaerhalt einzufahren. Das werden wir bestimmt schaffen können, wenn uns das Umstädter - Publikum lautstark anfeuert und 60 Minuten nach vorne peitscht. Und ich denke, dass wir genau deshalb heute die Punkte bei um behalten werden.

 

TVG-TI Redaktion:

Danke für das Interview und viel Erfolg in der anstehenden Partie.

 

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