Gala nonstop in Groß-Umstadt
Handball, Regionalliga: Meister feiert mit 1000 Zuschauern nach dem 32:13 gegen Apolda Aufstieg in die Zweite Liga
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Meister der Handball-Regionalliga und Aufsteiger in die Zweite Liga: Die Mannschaft des TV Groß-Umstadt. Hintere Reihe, von links: Betreuer Michael Blechschmitt, Torwarttrainer Axel Sturm, Thomas Mauch, Tom Grunwaldt, Tilman Werner, Florian See, Nico Büdel, Christian Scholz, Patrick Beer, Oliver Schulz, „Hallenwischer“ Armin Groß, Trainer Ralf Ludwig, vordere Reihe, von links: Kai Kramer, Jens Elsner (dahinter), Tim Beckmann, Panagiotis Nastos, David Acic, Betreuer Lajos Toth und Physiotherapeutin Conny Feick. Vorn, liegend Marcel Bolling (links) und Marc Geissler. Vorne im roten T-Shirt Fan Andreas Horak. Foto: Guido Schiek
Gala nonstop. Regionalliga-Meister TV Groß-Umstadt feierte am Samstagabend nach dem lockeren 32:13 (16:7)-Erfolg gegen den Tabellenletzten HSV Apolda Titel und Aufstieg in die Zweite Handball-Bundesliga. Alles passte bei der größten Party in der Vereinsgeschichte. Über 1000 begeisterte Zuschauer verwandelten die Heinrich-Klein-Halle in einen Hexenkessel. Portugiesische Trommler sorgten minutenlang vor dem Auftritt der Mannschaft für Wirbel - ein würdiger Rahmen für die Helden.Angesichts der vielen Dankadressen an Trainer, Manager und Betreuerstab geriet das Finale gegen den abgeschlagenen Absteiger Apolda zur Nebensache. Die Thüringer - mit einem Rumpfteam angereist - schenkten die Partie nach zehn Minuten (4:4) her. Gegen die 3-2-1-Abwehr des Meisters - mit 721 Gegentoren die beste aller Regionalligisten in Deutschland - war der Gegner überfordert. Angetrieben von Kai Kramer (5) und Christian Scholz (7/4) im linken Rückraum drohte ihm beim Stand von 20:7 (37.) ein Debakel. Groß-Umstadt schaltete danach einen Gang zurück, munter wurde durchgewechselt. In der 55. Minute - während einer Auszeit - hieß es Abschied nehmen für den beliebten Torwart Marcel Bolling (nach Schwetzingen). Und die Sause begann.Trainer Ralf Ludwig, der Vater des Erfolgs, erduldete die Bierdusche. Jeder wollte dem Bauingenieur (38) gratulieren. Walter Holzer beispielsweise fährt seit dem Wechsel seines Neffen Christian Scholz regelmäßig von Erbach/Heppenheim nach Groß-Umstadt und ist begeistert von der Arbeit des Trainers: ,,In Groß-Bieberau hat sich Christian nicht durchsetzen können und war völlig verunsichert. Dann kamen viele Verletzungen hinzu, aber Ralf hat ihn immer wieder aufgebaut."Der Husarenstreich scheint angekommen bei den Groß-Umstädtern. Sämtliche Gratulanten - HHV-Ehrenvorsitzender Wolfgang Faß inbegriffen, er übergab die Meisterschale - wünschten nachhaltige Unterstützung der Zuschauer im Haifischbecken Zweite Liga. Eines war allen klar, der Ausflug in die Profigefilde wird trotz der ligatauglichen 3-2-1-Abwehr ein Abenteuer. Holger Zindt, der Sportliche Leiter und Architekt des Projekts, spricht von einem einmaligen Erlebnis. Denn während etliche Vereine für die Qualifikation zur eingleisigen Zweiten Liga finanziell Kopf und Kragen riskieren, setzt Groß-Umstadt auf Feierabendprofis und gewachsene Strukturen. Ohne die Bürgschaft des Hauptvereins wäre der Lizenz-Antrag nicht griffig gewesen. Die Abteilung plant mit ungefähr 100 000 Euro für die Saison. Da die überwiegend jungen Studenten lediglich Aufwandsentschädigungen bekommen, ist das Abenteuer überhaupt möglich. ,,Unser Ziel ist es, in der Tabelle vor Groß-Bieberau zu stehen", bekannte Holger Zindt am Samstag mit einem Augenzwinkern. Letztlich hofft der Kreisläufer, der mit 40 Jahren noch in der Landesliga spielt, auf etliche Überraschungsmomente: ,,Ich denke, dass unsere Abwehr konkurrenzfähig sein wird. Wir wollen über diese Stärke insbesondere über das Tempospiel einige Ausrufezeichen setzen." Bisher drei Trainingsabende werden auf vier erhöht. Mannschaftskapitän Tim Beckmann, wie Patrick Beer (HSG Hanau) verabschiedet, leitet die zusätzliche Athletik-Einheit. Mehr ist nicht drin für das junge Überraschungsteam. Am Samstagabend wirkten alle Spieler euphorisch und genossen den Triumph. Lautstark beschworen sie den Ausflug in die große Handballwelt. Die Feierlichkeiten endeten erst Sonntagmittag nach einem Autokorso durch Groß-Umstadt.