Erst nach Pause stimmen die Gewichte
Handball: 37:25 - Regionalliga-Primus Groß-Umstadt wirft sich gegen Landesligist Modau in die Hauptrunde des DHB-Pokals
David gegen Goliath - im Pokal stets eine reizvolle Konstellation. Das Handball-Südhessen-Finale am Freitagabend zwischen Regionalliga-Primus TV Groß-Umstadt und dem Dritten der Landesliga, TSV Modau (37:25/18:14) stand 20 Minuten unter diesem Vorzeichen. Da hieß es 7:4 und 8:5 (12.) für die Gäste. Bis zum 12:13 stichelten sie den mächtigen Gegner geschickt und zielstrebig. ,,Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt", erkannte Modaus Kopf, Spielertrainer Andreas Wolf, der klug Regie führte. ,,Nach der Pause sind wir in unnötige Gegenstöße gelaufen." David schwanden schließlich Kraft und Konzentration. Die Welten sortierten sich. Für Modau ist die Punktrunde seit dem vergangenen Wochenende abgehakt. Dennoch spielten die Odenwälder eine ehrgeizige Pokalzugabe. Vor 250 Zuschauern kostete der Favorit den Klassenunterschied erst Mitte der zweiten Halbzeit aus. Das Ergebnis schmeichelt der Leistung. ,,Die Einstellung hat gefehlt", erkannte Trainer Ralf Ludwig. ,,Mach doch die Dinger ofach noi", rief eine Zuschauerin die Helden lautstark zur Ordnung, wenn diese - zu häufig - in künstlerischer Schönheit erstarben, statt die Torchance geradlinig zu verwerten.In den Köpfen des Regionalliga-Tabellenführers schwirrte die Partie nächsten Samstag (19.30 Uhr ) beim TV Nieder-Olm herum. Eine harte Nuss, entscheidend für den Sprung in die Zweite Liga. Da wirkte die Pokal-Pflicht wie eine Rhythmusstörung. Ralf Ludwig tobte bisweilen am Spielfeldrand. Unzufrieden war er mit der Parade-Abteilung - der Abwehr. Abstimmung mangelhaft. Ein stärkerer Gegner - au Backe. Nächsten Samstag sind hundert Prozent Konzentration und Harmonie verlangt, wenn der große Wurf am 15. Mai (19.30 Uhr) im Heimspiel gegen HSV Apolda besiegelt werden soll. ,,Jetzt sind wir im DHB-Pokal. Teilnahme am DHB-Pokal ist ja auch was Tolles", bilanzierte der Trainer und sinnierte, wie er die Truppe während der Woche für den Auftritt in Nieder-Olm bei Laune hält. Ausreden wie Harz-Verbot in der dortigen Halle lässt er nicht gelten. Wer nach Höherem strebt, muss Klasse abrufen. ,,Wir haben ein richtig gutes, breites und intaktes Team", baut Ludwig auf den Reife- und Entwicklungsprozess. ,,Wir haben keinen Fokus auf der Zweiten Liga gehabt zum Saisonbeginn. Das wäre uns damals nicht in den Sinn gekommen." Nun ist das anders. Mit der Leistung wuchsen die Ansprüche. Seit letzter Woche wird die Lizenz angepeilt. ,,Wir sind froh, dass wir die Lizenz beantragen konnten." Das dicke Plus an Kosten lässt keinen Spielraum für Verstärkungen. Die müssen auch nicht um jeden Preis her. Der Kader wirkt athletisch, robust, ist auf der Bank tief besetzt. Das gibt dem Trainer Handlungsspielraum. Die Garde verrät Zweitliga-Tauglichkeit, wenn sie ernst macht. Obwohl Patrick Behr (HSG Hanau), Torwart Marcel Bolling (Oftersheim/Schwetzingen) und Tim Beckmann (soll in den Betreuer stab eingebunden werden) ausscheiden. Ein Kollektiv ohne Primadonnen. Der Star ist die Mannschaft. Eine gesunde Basis. Trainer Ralf Ludwig nimmt mit ihr im fünften Jahr beim TV Groß-Umstadt die Herausforderung an, so in den letzten beiden Rundenspielen nichts mehr schief geht. Aber das hat der Spitzenreiter selbst in der Hand. Landesligist TSV Modau steht ein Generationswechsel ins Haus. Erfahrene Kräfte hören auf, darunter Torjäger Sven Trautmann (7). Spielertrainer Andreas Wolf: ,,Das ist ein großer Umbruch." Die Lücken füllt er mit jungen Leuten auf. Der A-Jugendliche Till Buschmann (2) deutete in Groß-Umstadt sein Potenzial an. Wolf selbst nimmt die Herausforderung an und glaubt, den Umbau zu meistern: ,,Ich bin mir sicher."