Diesmal jubelt Groß-Umstadt

06.10.2014 08:45 Von: Darmstädter Echo & pico

Handball, dritte Liga – 24:25 im Derby ernüchtert die MSG Groß-Bieberau/Modau

TVG jubelt

Markus Eisenträger -10facher Torschütze gegen Groß-Bieberau

Diesmal jubelt Groß-Umstadt

Handball, dritte Liga – 24:25 im Derby ernüchtert die MSG Groß-Bieberau/Modau

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<span class="pi">Geballte Freude: Die Spieler des TV Groß-Umstadt feiern den 25:24-Erfolg im Südhessen-Derby gegen die MSG Groß-Bieberau/Modau.  Foto: Jürgen Pfliegensdlörfer</span>

Wieder einmal bot das Prestige-Derby der dritten Handball-Bundesliga zwischen dem TV Groß-Umstadt und der MSG Groß-Bieberau/Modau alles, was zu einem packenden Spiel gehört. Die Gastgeber setzen sich am Freitagabend vor 900 Zuschauern 25:24 durch.

Jubel und Enttäuschung lagen nahe beieinander. Während die Helden des TV Groß-Umstadt mit den Zuschauern den 25:24-Erfolg ausgelassen feierten, standen die Gäste mit gesenkten Köpfen unter ihren zahlreichen Schlachtenbummlern. Auch sie wollten sich für die Unterstützung bedanken, schließlich verfolgten rund 900 Zuschauer das Südhessen-Derby am Freitagabend.

Beide Mannschaften gaben kämpferisch alles. Spielerisch allerdings war Groß-Umstadt obenauf. Denn der Rückraum der Gäste hatte einen schwachen Tag erwischt. Die beiden Asse des TV Groß-Umstadt, Markus Eisenträger (10 Tore) und Florian See (6), trafen beinahe doppelt so oft, wie der gesamte Rückraum der Odenwälder. Michael Malik (1/1) tauchte ab. Der in den ersten Partien aufmerksame Taktgeber Benedikt Seeger (3) blieb blass. Kreisläufer Lucas Lorenz (4) sowie die jungen Darren Weber (2) und Rechtsaußen Jan Döll (5), sorgten dafür, dass die Begegnung bis in die Schlussminute spannend blieb.

Die Odenwälder hatten beim 24:24 die Chance zur Wende – sie blieb ungenutzt. Groß-Umstadt legte dank Fabian Kraft zum 25:24 vor. Dann verwarf Benedikt Seeger und leistete sich prompt eine Zeitstrafe. Da waren noch 50 Sekunden zu spielen. Groß-Umstadt hatte beim letzten Angriff Ballbesitz, danach brachen alle Dämme.

Die favorisierten Gäste erfuhren, dass solch brisante Gipfel von anderen Einflüssen leben als der individuellen Klasse. „Da wurde an zu viele andere Dinge gedacht, aber nicht an das Spiel“, tadelte Trainer Ralf Ludwig. Ihm fehlten Siegertypen.

Die besaß der der Gegner: Torwart Lucien Zwiers steigerte sich enorm, Markus Eisenträger traf aus allen Lagen: Zwölf Versuche, zehn Tore. Für den als „Fahrkarten-Spezialist“ verhöhnten Halblinken eine Genugtuung. „Meine Mitspieler haben mich gut eingesetzt. Ich hatte Platz, mir die Ecke auszusuchen. Endlich hat mal alles geklappt“, freute sich der groß gewachsene Angreifer, der auch im Abwehr-Zentrum überzeugte.

„Wir haben um jeden Ball gekämpft und das hat sich gelohnt. Mich hat besonders gefreut, dass sich alle Spieler an mein Konzept gehalten haben“, frohlockte Tim Beckmann. Groß-Umstadts Trainer genoss den Coup. Für die enttäuschten Gäste blieb der Trost: Am 21. Februar, beim Rückspiel in der Darmstädter Böllenfalltorhalle, kann schließlich wieder alles anders laufen.

TV Groß-Umstadt: Bolling, Zwiers (im Tor), Eisenträger 10, See 6/2, Kramer 3, Acic 2, Paul 1, Burnner 1, Purucker 1, Kraft 1, Knieps, Geissler, Kraus.

MSG Groß-Bieberau/Modau: Podsendek, Müller (im Tor), Döll 5, Lorenz 4, Rohaly 3, Seeger 3, Baumgärtel 2, Weber 2, Arnold 1, Buschmann 1, Malik 1/1, Göbel 1, Lebherz.

Zeitstrafen: 3/5; Rote Karte: Paul (23. Minute, grobes Foulspiel); Siebenmeter: 3/2 und 2/1; Zuschauer: 900.

 

Die "handball-world" berichtet:

Groß-Umstadt gelingt Prestige-Erfolg im Derby


Markus Eisenträger
Foto: J. Pfliegensdörfer, TV Groß-Umstadt

Derbyzeit zwischen dem TV Groß-Umstadt und Groß-Bieberau, die beiden Orte liegen nur knapp 15 Kilometer voneinander entfernt. Man kennt und schätzt sich, aber in den Spielen gegeneinander gibt es kein Pardon, da wird gefightet, da wird alles gegeben und die sportliche Rivalität sorgt immer wieder für packende Duelle und spannende Handballspiele. Die Begegnungen der beiden Mannschaften zählen im Rhein-Main-Gebiet immer wieder zu den attraktivsten und repräsentativsten Handballspielen der Region. So auch diesmal wieder, wobei Groß-Bieberau als der klare Favorit anreiste und seinen Anspruch, eine Spitzenmannschaft zu sein, deutlich untermauern wollte. Groß-Umstadt nahm die Außenseiterrolle gerne an.

Zunächst verlieft alles nach Plan und Wunsch Groß-Bieberaus, sie gingen in der 6. Spielminute mit 3:1 in Führung. Doch Eisenträger und kurze Zeit später See glichen allerdings zum 3:3 in der 8. Minute aus und egalisierten den guten Start der Gäste. Groß-Umstadt präsentierte sich spielfreudig, rackerte in der Abwehr, machte die Räume eng und stellte die Bieberauer Angreifer vor ungeahnte Probleme. Dazu stand Torwart Luchien Zwiers sicher, hielt gerade in der Anfangsphase wichtige Bälle und verunsicherte die Angreifer weiter. Bolling, der bei zwei Siebenmetern eingewechselt wurde, stand ihm in nichts nach und parierte sogar beide Versuche.

Der große Favorit kam zunehmend ins Schwanken, Groß-Umstadt übernahm die Regie, ging bis zur 13. Minute mit 6:3 in Führung und veranlasste den überraschten Groß-Bieberauer Trainer Ralf Ludwig zum ersten Team Time Out nach dem 7:4 in der 15. Minute und bereits 2 Zeitstrafen für seine Mannschaft. Ludwig redete auf seine Mannschaft ein, bewirkte anscheinend auch kurze Besserung, denn in der Folge konnt Groß-Bieberau den Anschluss finden und glich in der 26. Minute zum 11:11 aus. Doch auch dadurch lässt sich Groß-Umstadt nicht von seinem Matchplan abbringen und beherzigte die taktische und vor allem moralische Marschroute – Acic, sowieso bekannt für seinen kämpferischen Einsatz, tankte sich kurz vor der Pause durch und erzielte den 12:11 Halbzeitstand.

Durchatmen auf beiden Seiten, beim Gastgeber die gewonnene Erkenntnis, dem Favoriten ein Bein stellen zu können, dazu das erlangte Selbstbewusstsein mit der bärenstarken Abwehr und dem glänzenden Torhüter Zwiers, sowie einer schwindend geringen Anzahl von Fehlwürfen oder technischen Fehlern. Die Mannschaft glaubte an sich und entwickelte eine kämpferische Leidenschaft dieses Derby gewinnen zu wollen und auch zu können. Bei Groß-Bieberau machte sich dagegen die plötzliche Unsicherheit breit, das Spiel verlieren zu können.

Mit dieser heftigen Gegenwehr der Gastgeber hatte wohl niemand gerechnet und so wurden in der Folge zahlreiche Angriffe vergeben, in der Abwehr and man kein Gegenmittel gegen den Spielwitz Groß-Umstadts und vor allem dem überragenden Markus Eisenträger, der bei 11 Wurfversuchen 9 Tore warf und in der Abwehr glänzend Regie führte. Über 17:14 in der 40. Minute und 21:19 ging es in die Endphase des Spiels und die wurde wieder einmal spannend und teilweise dramatisch.

Beim Stande von 22:20 für Groß-Umstadt nahm Ludwig erneut eine Auszeit in der 53. Spielminute und wollte noch einmal auf sein Team einwirken. Groß-Bieberau gelang der Ausgleich zum 22:22 in der 54. Minute, doch der treffsichere Eisenträger und Routinier See legten wieder eine 24:22-Führung für Groß-Umstadt vor. Groß-Bieberau verlor die Nerven, bekam eine Zeitstrafe gegen Baumgärtel in der 57. Minute und die unruhig gewordene Bank erhielt die gelbe Karte. See hatte die Möglichkeit durch einen Siebenmeter in der 58. Minute alles klar zu machen, traf jedoch nur den Pfosten und Groß-Bieberau konnte doch noch einmal zum 24:24 in der 59. Minute ausgleichen.

Groß-Umstadt agierte nun clever im Angriff, spielte Linksaußen Fabian Kraft frei und der dankte es mit einem beherzten Wurf ins lange Eck und der 25:24-Führung. Groß-Bieberau in Ballbesitz hatte die Möglichkeit im letzten Angriff noch den Ausgleich zu erzielen, aber Seeger vertändelt, foult dazu noch, erhält eine Zeitstrafe und bringt Groß-Umstadt wieder in Ballbesitz. Noch 43 Sekunden Restspielzeit standen auf der Uhr, die die cleveren Groß-Umstädter – zwar mit ernsthaften Angriffsbemühungen – aber trotzdem kontrolliert runterspielen. Schlusspfiff der beiden sicheren Schiedsrichter und grenzenloser Jubel bei den Siegern.

900 Zuschauer standen Kopf und feierten den Derbysieg. Niedergeschlagenheit dagegen beim Gast. In der anschließenden Pressekonferenz kritisierte Groß-Bieberaus Trainer Ralf Ludwig seine Mannschaft und warf ihr mangelnde Spielkonzentration vor. „Da wurde an zu viele andere Dinge gedacht, aber nicht an das Spiel.“ Groß-Umstadts Teammanager Michael Blechschmitt war dagegen voll des Lobes für sein Team. „Die haben heute strikt den von unserem Trainer Tim Beckmann erstellten Matchplan eingehalten, leidenschaftlich um jeden Ball gekämpft und den großen Favoriten damit in die Knie gezwungen. Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung, aus der einige Akteure mit individuellen Bestleistungen herausragten. Eisenträger in Angriff und Abwehr, Zwiers und Bolling im Tor, aber alle anderen gingen auch auf 100 % ihres Leistungspotentials. Das war heute richtig gut und wichtig für unsere weitere Entwicklung.“

Das "Main-Echo" berichtet:

Tadellose Einstellung
TV Groß-Umstadt - MSG Groß-Bieberau/Modau 25:24 (12:11). -

Mit einer tadellosen Einstellung besiegte der TVG vor 900 Zuschauern die als Favorit angereiste MSG Groß-Bieberau/Modau. Die Gäste erwischten einen guten Start (3:1), ehe die Hausherren ausglichen, die Räume eng machten und den gegnerischen Sturm immer wieder vor Probleme stellte. Hinzu kamen zwei gut eingestellte Torhüter und schon wackelte der Favorit. In der 15. Minute beim 7:4 nahm MSG-Trainer Ludwig die Auszeit, seine Männer fanden sich und glichen zum 11:11 aus. Bis zur Pause lag der TVG wieder vorne.
Mit viel Selbstvertrauen starteten die Gastgeber in Halbzeit zwei, die Gäste hingegen zeigten ungewohnte Unsicherheiten und fanden vor allem in der Abwehr kein Mittel, um den Spielwitz Groß-Umstadts in den Griff zu bekommen. Vor allem Markus Eisenträger war nie zu halten, führte glänzend Regie und trug sich neunmal in die Torschützenliste ein.
Beim 22:20 (53.) nahm die MSG erneut die Auszeit und schnell stand es 22:22. Wieder zogen die Einheimischen mit zwei Treffern davon und Florian See hatte per Siebenmeter die Chance zum 25:22, traf aber nur den Pfosten. Wieder glichen die Gäste aus 24:24 (59.), doch Fabian Kraft erzielte die Führung. Die restlichen 43 Sekunden spulte der TVG mit viel Routine herunter und nach dem Schlusspfiff war die Freude grenzenlos.

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