Außer Spesen nichts gewesen

04.10.2007 07:06 Von: Holger Zindt & Manfred Picolin

TV Groß-Umstadt gerät in Irmenach 25:18 unter die Räder

Außer Spesen nichts gewesen

TVG Groß-Umstadt gerät in Irmenach unter die Räder

 

Am letzten Sonntag noch Strahlemänner nach einer starken Leistung und Sieg gegen den TV Nieder-Olm – am gestrigen Mittwoch geknickt und mit hängenden Köpfen auf der Rückreise aus dem Hunsrück. Nach einem schwachen Spiel und einer 25:18 Niederlage (Halbzeit 13:12) gegen die HSG Irme-nach/Kleinich/Horbruch finden sich die Regionalligahandballer des TV Groß-Umstadt zunächst einmal im Tabellenkeller der Liga wieder und der Gegner vom kommenden Sonntag, die HG Saarlouis, lässt kaum hoffen, dass sich an dieser Situation kurzfristig etwas ändern wird.

 

„Ich bin richtig bedient“, so kommentierte ein hörbar geknickter Trainer Ralf Ludwig die Leistung seiner Mannschaft. „Eigentlich haben wir zu Beginn des Spiels alles richtig gemacht. Unsere Abwehr hat gut gestanden und Marcel Bolling im Tor konnte sich auch gleich ein paar Mal auszeichnen. Wenn wir uns in dieser Phase beim Abschluss etwas besser konzentrieren, müssen wir eigentlich schon mit 4 Toren in Führung liegen – doch leider haben wir uns schon hier mit unserer Abschlussschwäche selber im Weg gestanden.“

 

Vor allem im Rückraum entwickelten die Groß-Umstädter zu wenig Druck und hatten so auch Schwierig-keiten, ihre Mitspieler am Kreis oder den Außenpositionen aussichtsreich ins Spiel zu bringen. Tom Grunwaldt hielt seine Farben mit 3 energischen Toren vor der Halbzeit jedoch im Spiel und so wurden beim Zwischenstand von 13:12 die Seiten gewechselt.

 

Zur Halbzeit war also noch lange nichts entschieden und Trainer Ludwig versuchte, sein Team in der Pause noch einmal neu einzustellen. Doch anstatt mit neuem Selbstbewusstsein warteten die Gäste direkt nach Wiederanpfiff mit weiteren Unzulänglichkeiten auf. Gleich reihenweise wurden beste Ein-schussmöglichkeiten ausgelassen und ermöglichten den Irmenachern einfache Kontertore. 14 Minuten gelang den Groß-Umstädtern kein Treffer und nach 20 Spielminuten lag man aussichtslos mit 21:13 im Hintertreffen. Der Rest der Begegnung war Schaulaufen der Gastgeber und das Endergebnis von 25:18 gibt die Kräfteverhältnisse des Abends durchaus treffend wieder.

 

„6 Tore im zweiten Durchgang – da brauch ich gar nicht lange nachdenken, woran es gelegen hat. So, wie sich hier einige Herren präsentiert haben, muss man schon arg an unserer Regionalligatauglichkeit zweifeln“, so äußerte sich Abteilungsleiter Albert Welter erbost und enttäuscht nach der Begegnung. „In keiner Phase des Spiels konnten wir an unsere Leistung vom letzten Sonntag anknüpfen. Nicht, dass wir hier als Aufsteiger unbedingt gewinnen müssen! Aber so eine schwache Leistung kann ich einfach nicht nachvollziehen.“

 

Andererseits sind sich die Verantwortlichen des TVG durchaus bewusst, dass sie eine junge und wenig erfahrene Mannschaft ins Rennen um den Klassenerhalt geschickt haben. Insofern wird man, ob man will oder nicht, auch damit leben müssen, dass die Leistungen des Teams nicht auf konstant hohem Ni-veau ablaufen können und sicherlich noch einige Täler zu durchschreiten sind.

 

TVG: Bolling, Eichhorn, Scholz, Weigand 2, Klein, Beer 3/1, Beckmann 2, Siebenschuh 2, Weber, Geiss-ler, Kramer 2, Grunwaldt 3, Lang, Nastos 4/2

 

 

 

Für Trainer Ralf Ludwig geht es nun darum, seine Mannschaft sehr schnell wieder aufzubauen, denn schon am Sonntag (18:00 Heinrich-Klein-Halle) wartet ein noch härterer Brocken auf das TVG-Team. Mit der HG Saarlouis gibt das einzig noch verbliebene verlustpunktfreie Team der Regionalliga seine Visi-tenkarte in der Odenwälder Weininsel ab und es dürfte schon eine gewaltige Leistungssteigerung erfor-derlich sein, wenn man den Top-Favoriten auf den Aufstieg in Liga 2 etwas ärgern will.

 

„Ganz sicher geben wir das Spiel nicht schon vor dem Anpfiff verloren“, gibt sich TVG-Kapitän Matze Weber durchaus kämpferisch. Letztes Jahr waren wir ja noch permanent Tabellenführer und haben auch bei den Mannschaften aus den hinteren Tabellenregionen hart kämpfen müssen, um unsere Punkte zu holen. Warum soll es Saarlouis bei uns anders ergehen? In Groß-Umstadt haben wir unsere Fans an unserer Seite und die werden uns schon helfen, diese Partie offen zu gestalten. Nach der Packung in Irmenach haben wir ganz sicher etwas gut zu machen. Am besten wir fangen damit am Sonntag gleich an, damit bei uns gar nicht erst schlechte Stimmung aufkommt.“

 

Die HG Saarlouis zählte schon vor Beginn der Saison zu den meistgenannten Aufstiegskandidaten. Die 4 Auftakterfolge in Mülheim/Kärlich und Gelnhausen sowie in heimischer Halle gegen Polheim und Hochdorf stützen diese Einschätzung. HG-Trainer Jungermann steht eine auf allen Positionen äußerst stark besetzte Truppe zur Verfügung, deren herausragender Akteur sicherlich Spielgestalter Danijel Grgic ist. Mit Neuzugang Christian Kühn (kam von Mülheim/Kärlich) hat sich der letztjährige Tabellendrit-te zudem noch mit einem der Top-Shooter der letzten Regionalligasaison verstärkt. Mit Torwart Sven Ehrich kehrte ein aus Kirchzeller Zeiten zweitligaerfahrener Torwart ins Saarland zurück. Und so ver-steckt man sich in Saarlouis auch nicht groß hinter falschen Ansprüchen, sondern formuliert als Saison-ziel offen und unverblümt den Titel und den damit verbundenen Aufstieg in die 2. Bundesliga.

 

Es bleibt also abzuwarten, ob das junge Team von Trainer Ralf Ludwig ausgerechnet gegen diesen schier übermächtige Gegner zurück in die Erfolgsspur finden wird. Gelingen kann das aber nur, wenn auch die TVG-Fans wieder zahlreich in die Heinrich-Klein-Halle strömen und ihre Mannschaft unterstüt-zen. Mannschaft und Fans haben im letzten Jahr lange gekämpft, um wieder gegen Teams solcher Klasse spielen zu dürfen – nun sollte man sich auch gemeinsam dieser Aufgabe stellen.

 

Holger Zindt, TV Groß-Umstadt

 

 

 

Er will sich schon am Sonntag mit seinem Team für die Niederlage in Irmenach rehabilitieren. TVG-Kapitän Matze Weber steht vor dem Spiel gegen Tabellenführer HG Saarlouis vor einer schwierigen Aufgabe. (Foto: M. Picolin)

 

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