Tempo, Biss, Härte – das galt für die erste Halbzeit. Da forderte Groß-Umstadt den Klassenprimus mit allen Mitteln heraus. Erik Schmidt (4) sah schon in der 27. Minute die Rote Karte nach drei Zeitstrafen. Zuvor war der baumlange Kreisläufer hinten und vorn ein Leuchtturm. Fast mit dem Halbzeitpfiff kassierte Leutershausens Matthias Conrad nach einer Tätlichkeit gegen Oliver Schulz einen Feldverweis. Kreisläufer Schulz, der provoziert hatte, erhielt zwei Minuten. Rudelbildung auf dem Feld: Trainer, Manager, plus sämtliche Spieler ließen ihren Emotionen freien Lauf. Keine Werbung für den Handball.
Die Pause beruhigte die Gemüter. Groß-Umstadt schläferte sie ein. Nach Wiederanpfiff überrannte Leutershausen die Gastgeber konzentriert und wieselflink. Trainer Jens Becker war schon in der 38. Minute (16:23) bedient: „Wir haben total die Disziplin im Angriff verloren. Auch die Abwehrleistung in der zweiten Hälfte war inakzeptabel, das ist normalerweise nicht so.“
Florian See (5) versemmelte obendrein zwei Siebenmeter. Serienweise ideenlose Würfe und technische Fehler spielten dem stürmischen Gegner in die Hände. Leutershausen schraubte mit Tempogegenstößen das Ergebnis in die Höhe und wurde der Rolle des Tabellenführers gerecht. Der Kleinste auf dem Feld, Spielgestalter Jonas Gunst (4), inszenierte die Angriffsgala. Linksaußen Niklas Ruß – Zweitspielrecht beim Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen (9, darunter ein Kempa-Trick-Tor) –, der bärenstarke Kreisläufer Hannes Volk (8) und Junioren-Nationalspieler Jochen Geppert (5) trafen Groß-Umstadt ins Mark. Torwart Roko Peribonio meisterte ein Dutzend Bälle der Gastgeber.
Deren Sportlicher Leiter Holger Zindt erkannte: „In der zweiten Hälfte verlieren wir die Linie und haben eine Klasse schlechter gespielt als der Gegner, so verlieren wir das Spiel zurecht.“ Manager Michael Blechschmitt tadelte: „So darf man sich zu Hause eigentlich nicht verkaufen.“
Während die Spieler sprachlos auf der Bank kauerten, frohlockte der Gegner mit reichlich Schlachtenbummlern. Manager Uli Roth, der frühere Nationalspieler, schnaufte durch: „Heute bin ich stolz auf diese Mannschaft.“ Denn mit Benjamin Prestel (Schulter), Daniel Häussler (Adduktoren) und Max Schmitt (Ellbogen) fehlten Alternativen auf der rechten Angriffseite.
Trainer Holger Löhr imponierte das Tempospiel, trotz der vielen Umstellungen: „Wir haben in der ersten Halbzeit auch in der Abwehr gut gestanden. Wir hatten schon Respekt vor Groß-Umstadt.“ Der war aber spätestens nach 35 Minuten verflogen.
In Halbzeit eins wogte das Spiel hin und her. Viel Angriffselan und Leidenschaft investierte Groß-Umstadt. Torhüter Julian Sahm, der einen Siebenmeter hielt, Florian See (vier Treffer), Erik Schmidt am Kreis (bis zur Roten Karte), Spielgestalter Tegaday Ramos-Nunz (5/2) und eine giftige Abwehr nervten den Favoriten. Tempo, Tempo, Tempo hieß die Marschroute. Erst nach dem 16:14 (29.) atmete Leutershausens Regie um Uli Roth freier.
Und während die Gäste den Parforceritt hemmungslos fortsetzten, ging Groß-Umstadt bei der wilden Handball-Jagd unter. Alles riskiert, alles verspielt. Weil Disziplin und Konzentration lediglich 30 Minuten reichten.



