Manfred Picolin erhielt jüngst in Offenbach vom Hessischen Verband für Rehabilitations- und Behindertensport HBRS das Prädikat „Sportler des Jahres“ im Breitensport. In den Kategorien Leistungssport wurde Paralympics-Schützin Manuela Schmermund (Frankfurt), die die Veranstaltung moderierte, geehrt. Im Mannschaftssport zeichnete Präsident Gerhard Knapp (Heppenheim) das Hessenteam im Rollstuhlbasketball aus. Den Sonderpreis für ihr Lebenswerk bekam Reinhild Möller (Neuenburg), Deutschlands erfolgreichste Paralympics-Sportlerin. Zwischen 1980 und 1998 gewann sie bei Winter- und Sommerspielen 19 Goldmedaillen.
Manfred Picolins Lebenswerk ist eng mit dem Sport und der Behindertenarbeit verknüpft. Als junger Erwachsener ließ er sich zum Übungsleiter ausbilden und ist heute noch im Alter von 76 Jahren aktiv – seit annähernd 60 Jahren. Sein Einsatz beschränkt sich nicht auf ein paar Übungsstunden – Picolin versieht ehrenamtlich ein Pensum mit über 20 Stunden Unterricht wöchentlich in unterschiedlichen Gruppen.
Am Beginn der Laufbahn standen Handball, Kinderturnen und Leichtathletik (1955 – 1980). Von 1961 bis 1977 war er Vorsitzender des Mehrspartenvereins. Die zweite Hälfte der Übungsleiter-Karriere beherrschte der Behindertensport. Picolin gründete 1980 beim TV Groß- Umstadt die Behindertensport-Abteilung mit drei Mitgliedern. Heute ist sie eine der größten im Verein – mit 150 Sportlerinnen und Sportlern. Laudator Ralf-Rainer Klatt (Griesheim) unterstrich: „Auch wenn Manfred Picolin – zu Recht – stolz auf über 50 deutsche und über 450 Landesmeistertitel ist, so legt er großen Wert darauf, dass jeder behinderte Mensch Breitensport treiben kann und damit positive Elemente der Lebensbewältigung erlernt und durch Spiel und Bewegung Lebensfreude kennen lernt.“
Picolin setzt im Kindesalter an. Die Entwicklungsförderung von behinderten jungen Menschen liegt ihm am Herzen. Als Betreuer bei Welt- und Europameisterschaften sowie den Paralympics, dazu Wegbereiter für internationale Vergleiche und Jugendlager arbeitete er in diesem Sinne. Klatt, Vizepräsident Sportentwicklung im Landessportbund Hessen, adelte das Vorbild mit Picolins persönlichem Leitmotiv: „Anstatt zu fragen: Was leistet der Mensch sportlich? sollten wir mit Bezug auf die geistig Behinderten eher fragen: Was leistet der Sport menschlich?“
Der HBRS, drittgrößter Landesverband im Deutschen Behindertensportverband mit Sitz in Fulda, wurde vor 60 Jahren in Darmstadt gegründet. 46 000 Mitglieder in 490 Vereinen tragen den Behinderten- und Reha-Sport in Hessen. Präsident Gerhard Knapp begrüßte in Offenbach rund 350 Gäste des Gala-Abends im Saal des „Achat Plaza“-Hotels.


